Aktuelle Projekte

Hier stellen wir aktuelle Projekte und zukünftige Vorhaben rund um das Bienenhaus vor.

Meine ersten 9 Monate als Bienenvater

Flugloch

Als ich am Vormittag des Pfingstsonntag zum Arbeitseinsatz „Honigernte 2020“ zum Bienenhaus aufbrach, ahnte ich nicht, dass ich am Abend glückselig nicht nur mit einem Glas Honig, sondern mit einem ganzen Bienenvolk nach Hause kommen sollte.

Ich habe das zuerst gar nicht mitbekommen - erst als es etwas unruhiger wurde- um was es geht. Als ich dann dazu kam, hatte Anna ein neues Volk in einer ihrer schönen angemalten Beuten geschaffen. Diese wurde dann an einen ruhigen und kühleren Ort gestellt. Anna kam auf mich zu und meinte, dass ich doch schon immer mal ein Bienenvolk haben wollte. Nun ja, darüber reden ist das eine, aber so schnell und heute und ich weiß doch gar nicht… Okay dachte ich mir, dank Covid werde ich dieses Jahr wohl nicht mehr beruflich unterwegs sein, also wenn nicht jetzt wann denn dann?

Soweit so gut, aber ich kann das Volk ja nicht im Keller verstecken. Also: ein erster vorsichtiger Anruf bei Claudia. Die Antwort kam schneller, als ich den Satz zu Ende sprechen konnte. Dazu muss man wissen, dass Claudia auf der Terrasse in der Regel mit Fliegenklatsche sitzt und Wespen abwehrt, während ich ohne große Angriffe meine Erdbeertorte mit Sahne essen kann. Die weitere Kommunikation per Textnachricht hat auch keinen Erfolg gebracht.

Außerdem ist unser Grundstück kein großes Grundstück, sondern ein drei Meter Streifen rund ums Haus. Also, es ist nicht so einfach die Bienen zu platzieren!
Mit dem Flugloch in Richtung Haus geht im Grunde nicht, da die Bienen schon ein paar Meter freie Startbahn brauchen. Mit dem Flugloch zum Nachbarn hätte mein Problem mit Claudia minimiert, aber ich glaube, dass man das nicht darf und zweitens hätte es das Problem ja auch nur verlagert. Also musste ich mir was anderes überlegen. Schließlich kann man das Volk auch nicht beliebig umstellen und vor allem nicht am gleichen Ort. Die Bienen sind zwar schlau, aber wenn man die Beute vom vor dem Haus mal schnell hinter das Haus stellt, werden sie den neuen Standort nicht finden können, da sie bei der Rückkehr den Alten anfliegen würden.

Der einzige Ort der daher in Frage kam war das Dach auf unserem Vorbau. Nicht ganz optimal, da zur Straße hin und auch nicht vor Sonne oder Regen geschützt.

Gegen Nachmittag haben wir die Beute in mein Auto eingepackt, dann ging es für die Bienen fort von der schönen Obstwiese am Bienenhaus nach Stadthagen in ein Wohngebiet. Wobei ich später gelernt habe, dass das für die Bienen nicht unbedingt so schlecht ist, zumindest nicht, wenn wie bei uns in der Umgebung kein Steingarten existiert, sondern es zum Glück eine bunte Mischung von Bäumen, Büschen und Blumen gibt.

Angekommen in Stadthagen habe ich die Beute auf das Dach geschafft und einen provisorischen Unterbau geschaffen. Dann kam der große Moment: ich machte das Flugloch auf und raus strömten die Massen. Aber schlau wie die Bienen sind, haben sie sofort gemerkt das die Obstwiese nicht mehr vorhanden war. Hunderte Bienen kreisten also um ihr neues zu Hause und zogen immer größere Kreise, um die Umgebung zu erkunden.

Dann kam Claudia nach Hause… und es hatten sich auch schon interessierte Nachbarn vor unserem Haus versammelt. Einige erfreut, andere wie auch Claudia immer noch skeptisch. Ich erzählte, dass die Bienen das Dach als Startbahn sehen und dann wie ein Flugzeug nach oben abheben. Insofern bestehe auf dem Bürgersteig keinerlei Gefahr für einen direkten Angriff. Alle waren zufrieden und gespannt wie sich das entwickeln würde. Claudia war ziemlich sauer.

Mit der Zeit hat sich das völlig gewandelt. Die Nachbarn fragen freundlich, wie es den Bienen geht. Unser direkter Nachbar kam begeistert zu uns und berichtete, dass in seinem Garten jetzt endlich viel mehr los sei. Claudia findet die Bienen mittlerweile auch toll und näher sich der Beute sogar auf drei Meter um mir zu assistieren.
Tom, mein Sohn, war von Anfang an begeistert und ist zum Bienenbotschafter an seiner Schule geworden. Ausgestattet mit hunderten Bildern und Videos, die er am Flugloch gedreht hat.

Dann gab es noch einige formelle Dinge zu erledigen. Anmeldung beim Landkreis wegen der Seuchengefahr und Anmeldung beim Imkerverein, um versichert zu sein, falls die Mädels mal irgendwo Unfug anstellen sollten?!

In den ersten Wochen haben wir einige Zeit damit verbracht einfach zuzuschauen, wie die Bienen fliegen, wie sie voll beladen zurückkommen und sie zielsicher vor dem Flugloch landeten. Wie sie Pollen in allen möglichen Farben herantragen, gelb und orange in allen Nuancen.
Irgendwann habe ich dann immer mehr mit schwarzen Pollen entdeckt. Schwarz kann nicht gut sein dachte ich! Wo wart ihr, was habt ihr gemacht? Eine kurze Recherche gab Entwarnung, sie hatten die Mohnblumen entdeckt.
Der erste größere Schritt war der Bau eines kleinen Unterstandes, damit die Beute nicht in der prallen Sonne stand und etwas vor Regen geschützt ist. Das hat Spaß gemacht, von den ersten Skizzen bis wir dann die Bretter und Hölzer bei Schwier haben sägen lassen und das Ganze dann verschraubt haben.

 

Überdachung

Die größte Sorge am Anfang war, dass sich die junge Königin auf macht zu einem oder mehreren Hochzeitsflügen und Drohnen aus der Nachbarschaft findet.
Aber wie sollte die Arme denn den Platz finden wo all die Prinzen herumfliegen? Meine Drohnen waren auch schon munter unterwegs, auch sie haben das gleiche Problem, dass sie jeden Tag die Königin suchen für die sie dann ihr Leben geben. Keine Ahnung wie sie es schaffen…

Als wir das Volk von Annas schön bemalter Beute in meine neu angeschaffte Standardbeute umgezogen, kontrollierten wir die einzelnen Waben und Anna konnte bestätigen, dass sich in den Waben Stifte befinden. Hurra, meine Königin hatte es geschafft einen Prinzen zu finden. Wie sich später herausgestellte haben mindestens zwei Prinzen ihr Leben gelassen, da meine Bienen zwei unterschiedliche Färbungen aufwiesen.

Mein Ziel für den Rest des Jahres war es, das Volk auf eine Stärke zu bringen mit der sie sicher durch den Winter kommen würden.
Klar hätte ich gerne jede Woche reingeschaut und mir die Waben genauer angesehen. Ich habe es jedoch dabei belassen durch die hintere Glasscheibe zu beobachten, und ab und an mal von oben reingesehen ohne die Abdeckung wegzunehmen.
Es war erstaunlich, wie schnell die Bienen auf den Waben einen Überbau errichtet hatten zur Abdeckung und wie schnell alles mit Propolis verklebt war. Das musste sehr viel Energie gekostet haben und ich wollte diese Arbeit nicht von Woche zu Woche neu notwendig machen.

So verging der Sommer und die schönen Tage wie im Flug. Apropos Flug, an einem Tag war soviel Flugbetrieb vor der Beute, dass ich Bedenken hatte, dass da etwas nicht in Ordnung sei. War es zu warm in der Beute oder wollen sie mich gar verlassen?
Ein Anruf bei Anna beruhigte mich, es waren nur Jungbienen, die im Umkreis von wenigen Metern ihre ersten Flugübungen machten, ein schönes Schauspiel.

Zum Herbst hin haben wir dann einmal die Waben kontrolliert, geschaut wieviel Brut noch vorhanden ist und wie es um die Futtervorräte bestellt war. Um sicher zu gehen, dass sie gut über den Winter kommen bekamen sie regelmäßig Futter in Form von gelöstem Zucker. Das ist nicht perfekt hilft aber in den Zeiten wo nichts mehr blüht. Zudem bleibt die Königin dann noch etwas länger aktiv, das hilft dann bei der Stärke des Wintervolkes.

Leider bleibt kein Volk von der Varroa Milbe verschont, so auch nicht meine Bienen. Regelmäßige Kontrollen zeigten, dass es auch in meinem Volk welche gab.
Irgendwie hatte ich gehofft, dass das anders sein würde. Kontrolliert wird das mit einer Windel. Ich dachte, wie bekomme ich denn nur eine Pampers unter die Beute gelegt? Man legt diese unten in die Beute und alles was runterfällt landet dann dort.
In Mitten all der Dinge, die da so runter fallen liegen dann auch tote Milben, diese gilt es zu zählen. Ein nicht einfaches Unterfangen und für mich nur mit Lupe machbar. Aber mittlerweile ist das Auge geschult und die Zählung ist in wenigen Minuten gemacht.
Gemeinsam mit Anna habe ich im Oktober eine Behandlung mit Ameisensäure gestartet. Dazu wird die Ameisensäure über einen Verdunster, der in einem Rahmen montiert ist in die Beute gehängt. Ich hoffte, dass die Bienen mir das nicht Übel nahmen und möglichst viele Milben in der Windel landeten. Den Bienen hat es offensichtlich nicht geschadet und über hundert Milben haben so ihr Leben gelassen.

Nachdem die Behandlung beendet war und die Bienen nun auch kein Futter mehr angenommen haben, habe ich das Volk kontrolliert und konnte sehen, dass es munter und recht stark war. Die Futtervorräte waren aber wohl für die vielen jungen Bienen gebraucht worden. Daher habe ich beschlossen zwei volle Honigwaben als Zusatzfutter reinzuhängen, falls der Winter länger werden sollte.

Leider bekommt man mit der einen Behandlung nicht alle Milben weg, da diese sich mit der Brut eindeckeln lassen und somit nicht durch die Dämpfe erreicht werden können. Daher habe ich im Dezember die Bienen noch einmal mit einer Zucker-Oxalsäure Mischung beträufelt und hoffe nun, dass die restlichen Milben bis auf ein Minimum reduziert wurden, meine Bienen ohne große Milbenbelastung ins neue Bienenjahr starten können.

Bei dieser Behandlung ist eine Biene aufgeflogen und hat sich auf meinen Pullover gesetzt. Als ich dann zurück in der Wohnung war ist sie losgeflogen und saß auf der Fensterbank. Toll habe ich gedacht, was soll ich denn jetzt mit dir machen? Wenn ich dich nicht zurück zum Volk bringe wirst du sterben und den Weg dahin wirst du es bei der Kälte draußen nicht schaffen. Als Winterbienen hat sie ja durchaus noch ein langes Leben vor sich. Also Biene auf Notizzettel mit Wasserglas abgedeckt und zurück zu den Bienen. Abgesetzt vor dem Flugloch hat sie schnell erkannt wo es lang geht.

Ich hoffe sie hat es ihren Freundinnen tanzend erzählt und alle werden mich bei dem nächsten Öffnen freudig, aber zurückhaltend begrüßen.

JK, Januar 2021

 

Bienenreport 2020 von Anna-Lisa Giehl

Bienenernte2

 

Das Bienenjahr 2020 zeichnete sich aus, durch eine gute Überwinterung der Bienenvölker im Bienenhaus, eine früh einsetzende, kontinuierliche Volksentwicklung und eine sehr gute Frühjahrshonigernte bei kaum auftretender Schwarmstimmung.

Bereits sehr zeitig, am 15. Januar 2020 konnten die Bienen einen ersten, ausgiebigen Reinigungsflug machen und dabei ihre vollen Kotblasen entleeren (eine gesunde Biene kotet nie in ihrem Nest ab). Auf Grund des sehr milden Winters gingen die Bienen früh in Brut. Bereits Ende Januar waren die Glasscheiben, mit denen die Kästen im Bienenhaus ausgestattet sind, damit Besucher die Möglichkeit haben ins Volk zu schauen, bei den ersten Völkern handwarm. Interessant ist es immer wieder zu beobachten, wie zeitlich unterschiedlich die Völker in das Brutgeschehen eintreten.

Am 27. Februar legte ich überall die Bausperren ein. Diese Zwischenböden verhindern, dass die heranwachsenden Bienenvölker ihre Waben in den hohen Unterboden hineinbauen. Während es für die Völker im Winter besser ist, wenn sie kühl sitzen, hilft ihnen die Bausperre nun auch, ihr größer werdendes Brutnest auf 35 °C zu temperieren.

Das Wetter im Frühjahr zeigte wenig Kapriolen, sodass die Bienen die Tracht aus den ersten Frühblühern wie Krokus, Schneeglöckchen, Hasel, Salweide etc. gut für ihre Entwicklung nutzen konnten. Als es Mitte März eine längere Kälteperiode gab, unterstützte ich die fortlaufende Versorgung der Völker mit einer aufgekratzten Futterwabe, die ich in den Unterboden legte.

Am 5. April erfolgten die ersten Erweiterungen im Brutraum. Dazu ließ ich einzelne leere Rähmchen, an das vorhandene Wabenwerk anschließen. Ein einzelnes Volk bekam bereits einen ersten Honigraum, dieses Volk wird uns später noch einmal begegnen.

Mit der Kirschblüte beginnt die Zeit, in der die Bienenvölker „aufgehen wie ein Hefekloß“. Bereits Mitte April, gut zehn Tage früher als gewöhnlich, hatten die Völker ihren Brutraum voll besetzt und erste Honigkränze angelegt. Sie waren bereit für das Aufsetzen der Honigräume. Weil sowohl der Zustand der Völker, als auch das Wetter optimal waren, entschied ich mich, den Honigraum ausschließlich mit Mittelwänden zu bestücken. So bekamen die jungen Bienen viel Gelegenheit, Wachs zu schwitzen für den Wabenbau, was das Aufkommen der Schwarmstimmung dämpft.

Im Unterschied zu meinen Wirtschaftsvölkern in der Waldimkerei bekommen die Bienenhaus-Völker kein Absperrgitter zwischen Brut- und Honigraum gelegt. Das Absperrgitter verhindert, dass Drohnen und vor allem die Königin mit ihrem dicken Hinterleib in den Honigraum gelangt und dort ihre Eier ablegt. Es wird heute bei 99% der Imker eingesetzt, vor allem, weil es die spätere Honigernte wesentlich erleichtert. Ich war gespannt zu sehen, wie sich die Völker verhalten würden, wieviel Brut ich in den Honigräumen tatsächlich vorfinden würde.

Das gute Wetter hielt an und die stärkeren Völker bekamen wenige Tage später einen zweiten Honigraum aufgesetzt, dieses Mal allerdings mit bereits ausgebauten Waben, auf die ich aus der Waldimkerei zurückgreifen konnte.

Ein Volk schwärmte unbemerkt um den 9. Mai ab, es teilte sich also. Den halbvollen Honigraum, den es zurückließ, setzte ich einem anderen Volk im Bienenhaus auf. Das zurückgebliebene Volk wies auch nach 6 Wochen noch keine Brut auf. Möglicherweise war die junge Königin nicht vom Hochzeitsflug zurückgekommen, oder sie war irgendwie beschädigt. Ich setzte dem Volk also eine begattete Königin aus meinem Betrieb zu und hatte Glück. Schon 8 Tage später bei der Kontrolle konnte ich miterleben, wie diese Königin ihre Eier, auch „Stifte“ genannt, in die Wabenzellen ablegte.

Am Pfingstsonntag, bei herrlichstem Sommerwetter, fand unter Mithilfe einiger Vereinsmitglieder das große Ereignis der Honigernte statt. Ein Fotograf begleitete uns und machte beeindruckende Fotos. Wir sind noch in der Findung für die Verwendung dieser tollen Bilder.

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Die Bienen waren sehr friedlich und ließen alles mit sich geschehen. Nach der Honigernte breitete sich jedoch ein unangenehmer, fast auf Verwesung zu schließendem Geruch im Bienenhaus aus. Ich war etwas geschockt. So deutlich hatte ich noch nie wahrgenommen, welchem Stress man den Völkern mit der Honigentnahme aussetzt. Intuitiv gab ich allen Völkern sofort nach dem Honigschleudern eine Futterschüssel mit Honigwasser aus dem ausgewaschenen Entdeckelungwachs. Danach war der Geruch verschwunden.

Während der Ernte entdeckte ich auf einer Brutwabe im Honigraum Schwarmzellen. Es war das Volk mit dem meisten Honigeintrag. Es hatte im Frühjahr neun Tage früher als die anderen seinen ersten Honigraum bekommen. Auch der zweite Honigraum war nur mit Mittelwänden bestückt gewesen. Die Bienenmasse fehlte aber, die diese unglaublichen zwei Honigräume ausgebaut und vollgetragen hatte. Das Volk musste sich schon ein oder zwei Tage vorher unbemerkt geteilt haben. Auf einer Brutwabe im Honigraum lief mir eine bereits aus einer Schwarmzelle geschlüpfte Jungkönigin über den Weg. Ich machte kurzerhand mit ihr und allen weiteren bienenbesetzten Waben mit Brutresten aus den Honigräumen anderer Völker einen starken Ableger. Der Brutraum dieses Volkes blieb bis heute unangetastet. Das Volk schwärmte nicht mehr, die junge Königin ging in Eilage. Alles war wie eine große Fügung!

Auf diese Weise kam unser erster Vorsitzender Jörg Köster mit diesem Ableger unverhofft zu seinem ersten Bienenvolk. Es hat noch am selben Abend einen neuen Platz auf dem Flachdach seines Hauses bekommen. Jörg nun ein richtig treuer Bienenvater.

Es gab auch ein Volk, das mir schon bei der Auswinterung aufgefallen war, weil so viele Drohnen im Totenfall im Boden lagen. Es hatte deutlich weniger Honig gesammelt als die anderen. Ich schaute also in den Brutraum und tatsächlich, meine Ahnung bestätigte sich. Ich fand nur noch auslaufende Brut und keine frischen Eier oder Larven mehr. Hier stimmte etwas nicht mit der Königin. Als ich drei Wochen später erneut nachschaute, hatte es immer noch keine Brut, verhielt sich aber ruhig. Also wartete ich eine weitere Woche. Diesmal „heulten“ die Bienen. Ein Volk, welches „hoffnungslos weisellos“ ist, also ohne Hoffnung auf eine neue Königin, weil es keine Ressourcen mehr hat, aus denen es sich eine neue Mutter aufziehen könnte, gibt einen besonderen Ton von sich. Die Imker beschreiben ihn mit dem Wort „heulen“. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Volk aufzulösen und die Waben mit den Bienen darauf vor den Fluglöchern der anderen Völker abzufegen. Diese Bienen riechen ja nicht mehr nach einer eigenen Königin und können sich deshalb problemlos bei anderen Völkern „einbetteln“.

In den kommenden Wochen rechnete ich fest mit weiteren Schwärmen. Die Völker bekamen ja nicht wie in der Waldimkerei erneut Honigräume aufgesetzt, sondern sollten fortan sämtlichen eingetragenen Honig als Wintervorrat behalten. Dementsprechend voll mit Bienen waren die Kästen. Einige Vereinsmitglieder hielten in den Mittagsstunden vor den Fluglöchern “Schwarmwache“. Aber das Bienenjahr war wohl schon zu weit fortgeschritten. Die Völker regulierten sich von selbst, es fielen keine weiteren Schwärme.

Im Juli, August und September war es meine Aufgabe, die Futterversorgung der Völker im Blick zu behalten und ggf. mit Honiggaben zu unterstützen. Auch eine Sommer- und eine Herbstbehandlung gegen die Varroamilbe führte ich durch. Im Dezember beobachtete ich den natürlichen Milbenfall über 10 Tage und stellte erfreut fest, dass nur ein Volk eine Winterbehandlung benötigte.

Jetzt, Anfang Januar verbringe ich ein paar Tage im Bienenhaus und genieße die stille Präsenz der Bienenhaus-Bienen. Und ein Blick von hinten in die Kästen verrät mir – die Völker sind stark. Für sie war das Corona-Jahr 2020 ein gutes Jahr!

Anna-Lisa Giehl

Imker-Schnupperkurs

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Imker-Schnupperkurs
von Ute Bernhardt, 2.Vorsitzende

Natürlich wussten wir 12 Teilnehmer*innen alle bereits zu Beginn des Kurses mit der erfahrenen Imkerin Karen Lau: die Bienen sind bedroht in ihrer Vitalität, produzieren Honig und bestäuben die Blüten. Alle verband uns der Wunsch, mehr zu erfahren über die Bienen und ihre Zusammenhänge mit der Natur.Nach den drei Begegnungen, jeweils von 17 bis 20 Uhr, hatte sich bei jedem von uns ein individuelles „Erkenntnislicht“ entzündet. Wir fühlten uns beschenkt von Karens ansteckender Begeisterung für ihre Arbeit mit den Bienen und ihrem scheinbar unerschöpflichen Wissen.Praktisch wurden ihre Aussagen durch die Arbeit an vier jungen Bienenvölkern. Jeweils drei Teilnehmer*innen konnten sich, gut geschützt mit der Berufskleidung der Imker, in der direkten Bewirtschaftung der Völker erproben. Am Anfang stand staunendes Betrachten des zielgerichteten Gewusels der mehr als 10.000 Bienen, die wir als kleine Schwärme in die Kästen einlaufen ließen. Am Ende des Kurses verließen wir „unsere“ Völker mit tiefem Respekt und fürsorglicher Nähe. Der „Bien“, wie man den Organismus eines Volkes nennt, ist geradezu weisheitsvoll in seiner Organisation des Lebens und Überlebens.

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Die moderne naturwissenschaftliche Forschung hat mit den ausgefeilten Instrumenten und Methoden beeindruckende Erkenntnismöglichkeiten. Die gewonnen Fakten belegen, dass wir Menschen im Umgang mit der Natur, auch mit uns selbst als Teil der Natur, vom weisheitsvollen Weg abgebogen sind. Wir verlassen uns auf unsere Erkenntnis-methoden und optimieren danach die Lebensvorgänge bei Pflanzen, Tieren und Menschen.Beschäftigt man sich mit den Bienen und ihren Voraussetzungen, die ihr Überleben schon seid mehr als 40 Millionen Jahren auf der Erde möglich machten, stellt sich Betroffenheit ein. Die Schwächung der Bienen begann dort, wo der Mensch den Willen zum (Honig)-Ertrag über die Überlebensstrategien der Bienen gestellt hat. Die Begegnung mit den Bienen stimmt nachdenklich. Sie fordert auf, im eigenen Leben nach Möglichkeiten zu suchen, die gewonnen Einsichten anzuwenden.Die Imkerin Karen Lau hat durch eine ausgewogene praktische und theoretische Einführung in die Bienenwelt unsere Augen geöffnet. Es lohnt sich für jeden Menschen, der mehr Verständnis für Natur-zusammenhänge entwickeln möchte, solch einen Kurs zu besuchen.

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